Über das Werk
Friedrich Schillers Schauspiel in fünf Aufzügen entstand 1801 und wurde 1801 in Leipzig uraufgeführt. Das „romantische Trauerspiel" über die französische Heldin Jeanne d'Arc verbindet historische Stoffe mit visionärer Symbolik und gehört zu Schillers populärsten Werken — auch wenn er Jeannes historisches Schicksal (Verbrennung 1431) zugunsten eines schlachtgemäßen Heldentods ändert.
Handlung
Frankreich, 1429. Das Land ist von den Engländern fast überrannt, Karl VII. ist nicht zum König gekrönt. In einem dörflichen Vorspiel empfängt die junge Hirtin Johanna eine göttliche Vision — sie soll die Heilige Jungfrau verkörpern und Frankreich befreien. Sie verlässt Vater und Verlobten Raimond, kommt an Karls Hof, wo sie durch übersinnliches Wissen den verzweifelten König von ihrer Sendung überzeugt. Sie führt das französische Heer in der Schlacht — bricht den Bann der Engländer. Doch in einem zentralen Moment versagt die Berufung: Johanna trifft auf den schönen jungen englischen Heerführer Lionel und kann ihn nicht töten — sie erkennt, dass sie liebt. Diese Schwäche bricht ihre Sendung. Sie wird gefangen genommen, von ihrem Vater wegen Hexerei vor dem Volk angeklagt. Im Kerker betet sie, ihre Ketten zerreißen wundersam — sie eilt zur Schlacht, wendet die Niederlage zum Sieg, stirbt aber dabei in den Armen Karls.
Kulturelle Bedeutung
Die Jungfrau von Orleans ist nach „Wilhelm Tell" eines der populärsten Schiller-Werke und prägt die deutsche Sicht auf Jeanne d'Arc. Schillers radikale Änderung des historischen Tods (er ließ sie nicht verbrennen sondern in der Schlacht sterben) gilt als bewusster Bruch mit der Historie zugunsten einer poetischen Erlösung. Tschaikowskis Oper „Die Jungfrau von Orleans" (1881) baut auf Schiller. Inszenierungen Frank Castorfs und Stephan Kimmigs haben das Stück für die Gegenwart neu beleuchtet.
