Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes allegorisches Festspiel wurde 1815 anlässlich der Rückkehr des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. nach Berlin nach dem Sieg über Napoleon verfasst. Die Uraufführung fand am 30. März 1815 am Preußischen Königlichen Schauspielhaus Berlin in einer Vertonung Bernhard Anselm Webers statt. Das Werk ist Goethes bewusste Auseinandersetzung mit den Napoleonischen Kriegen und seine einzige explizit politische Auftragsdichtung.
Handlung
Der greise Weise Epimenides erwacht nach einem jahrzehntelangen Schlaf und findet die Welt verwandelt. Während seines Schlafs hat das Böse in Gestalt des Dämon des Unterdrückers die Herrschaft übernommen und die Menschheit in Angst und Unterdrückung versunken. Mit dem Erwachen des Epimenides beginnt der Widerstand: Die Götter der Hoffnung, der Einigkeit und der Liebe erscheinen und vereinen sich gegen den Dämon, der schließlich gestürzt wird. Das Stück schließt mit einem Triumphchor über die wiedergewonnene Freiheit.
Kulturelle Bedeutung
Des Epimenides Erwachen ist Goethes politischstes Werk und zugleich sein am stärksten kritisiertes — die patriotische Funktionalisierung wurde von Zeitgenossen wie Heinrich Heine als opportunistisch angegriffen. Die allegorische Sprache ist hermetisch und heute kaum spielbar. Das Werk bleibt historisch wichtig als Zeugnis der Restaurationszeit und als seltenes Beispiel eines politischen Goethe. Aufführungen sind rar.
