Über das Werk
Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug" entstand 1803-06 und wurde 1808 in Weimar uraufgeführt — von Goethe inszeniert, der das Stück durch Pausen-Akteinteilung verdarb und einen Theaterskandal auslöste. Heute gilt es nach Lessings „Minna von Barnhelm" als wichtigste deutsche Komödie zwischen Aufklärung und Romantik.
Handlung
In einem niederländischen Dorf bei Utrecht ist ein irdener Krug zerbrochen. Frau Marthe Rull bringt den Fall vor Gericht, denn ihre Tochter Eve wurde in der Nacht in der Kammer von einem Mann überfallen. Vorsitzender Richter ist Dorfrichter Adam — der seit dem Vorabend humpelnd, mit Beulen am Kopf und ohne Perücke erscheint. Inspektor Walter ist überraschend aus Utrecht gekommen, um Adams Amtsführung zu prüfen. In einem virtuosen Verhör entlarven sich Adam selbst — denn er war es, der nachts in Eves Kammer einbrach, von ihrem Verlobten Ruprecht überrascht wurde, mit einer Türklinke beworfen wurde und beim Sturz den Krug zerbrach. Eve, die schwieg um Ruprecht zu schützen, lüftet endlich die Wahrheit. Adam flieht über die Felder; Walter ordnet seine Suspendierung an, Ruprecht und Eve versöhnen sich.
Kulturelle Bedeutung
Der zerbrochne Krug ist Kleists einzige vollendete Komödie und gilt als Meisterwerk der analytischen Dramentechnik — wie in Sophokles' „König Ödipus" deckt der Richter im Verhör seine eigene Schuld auf. Das Stück wird auf deutschen Bühnen kontinuierlich gespielt; legendär sind Inszenierungen mit Heinz Rühmann, Walter Felsenstein und in jüngerer Zeit Andrea Breth und Karin Henkel.
