Über das Werk
Der Triumph der Zeit und der Wahrheit (Il trionfo del Tempo e del Disinganno) ist ein Oratorium von Georg Friedrich Händel, dessen erste Fassung 1707 in Rom entstand – Händels erstes Oratorium überhaupt, komponiert mit gerade 22 Jahren. Das allegorische Libretto stammt von Kardinal Benedetto Pamphili.
Handlung
Das Werk hat keine eigentliche Handlung, sondern ist ein allegorischer Disput zwischen vier personifizierten Figuren: Die Schönheit (Bellezza) muss sich entscheiden, ob sie dem Vergnügen (Piacere) folgt oder der Zeit (Tempo) und der Wahrheit bzw. Ernüchterung (Disinganno) Gehör schenkt. In einem Ringen zwischen den Verlockungen sinnlicher Lust und der Erkenntnis ihrer Vergänglichkeit wird der Schönheit ein Spiegel vorgehalten. Am Ende wendet sich die Schönheit reuig von der Eitelkeit ab und der ewigen Wahrheit zu.
Kulturelle Bedeutung
Das Oratorium begleitete Händel sein ganzes Leben: Er überarbeitete es mehrfach, zuletzt 1757 als englische Fassung „The Triumph of Time and Truth", kurz vor seinem Tod – ein einzigartiger Bogen über ein halbes Jahrhundert Schaffen. Die berühmte Arie „Lascia la spina" verwendete Händel später in „Rinaldo" als „Lascia ch'io pianga" wieder. Das Werk zeigt bereits den jungen Händel auf der Höhe seiner melodischen Erfindungskraft und gehört zum Kern seines Oratorienschaffens.
