Über das Werk
„Der Liebhaber" ist ein Ballett von Marco Goecke, frei nach dem autobiografisch grundierten Roman „L'Amant" („Der Liebhaber", 1984) von Marguerite Duras. Die Uraufführung fand am 5. Juni 2021 beim Staatsballett Hannover statt (corona-bedingt zunächst online); 2027 zeigt das Staatsballett Berlin das Werk. Goecke übersetzt Duras' Geschichte in seine unverwechselbare Bewegungssprache aus rasanten, flirrenden Gesten und minimalistischer Ästhetik. Die Musik kombiniert Werke von Claude Debussy, Maurice Ravel, Frédéric Chopin u. a.
Handlung
Duras' Roman erzählt in fragmentarischen, halb autobiografischen Bildern von der Begegnung einer fünfzehnjährigen Französin mit einem deutlich älteren chinesischen Liebhaber im kolonialen Indochina (dem heutigen Vietnam). Goeckes Ballett verdichtet diese Erinnerungserzählung zu einem Geflecht aus Begehren, Scham und Sehnsucht. Statt einer linearen Handlung entstehen flirrende, hochemotionale Tanzbilder, die von verbotener Liebe, kolonialer Machtasymmetrie und familiären Konflikten erzählen – getragen von der nervös-zarten Energie, die Goeckes Choreografien auszeichnet.
Kulturelle Bedeutung
Marco Goecke zählt zu den eigenwilligsten und unverkennbarsten Choreografen der Gegenwart; seine aus schnellen Arm- und Handbewegungen gebaute Bewegungssprache hat einen festen Platz im internationalen Ballettrepertoire. „Der Liebhaber" verbindet diese Handschrift mit einem literarischen Stoff von Weltrang und macht Duras' Erkundung von Erinnerung, Eros und kolonialer Erfahrung tänzerisch erfahrbar. Die Übernahme ins Repertoire des Staatsballetts Berlin unterstreicht den Rang des Werks.
