Über das Werk
Thomas Bernhards Stück wurde 1972 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt — einer jener Festspiel-Provokationen, die Bernhard berüchtigt machten. Die Uraufführung löste einen Skandal aus, als Bernhard die im Libretto vorgesehene Verdunkelung des Saales während der Schlussszene durchsetzte, wogegen die Feuerwehrvorschriften verstießen. Die zweite Aufführung wurde abgesagt, Bernhard zog das Stück aus Salzburg zurück.
Handlung
Nach einer Vorstellung der „Königin der Nacht" in Mozarts Zauberflöte begegnen sich im Künstlerzimmer die legendäre Koloratursopranistin, ihr alter, blinder Vater und der Doktor — ein zynischer Diagnostiker und Monologist. Während die Sängerin sich erschöpft umzieht, hält der Doktor einen stundenlangen Monolog über Verwesung, Seziertisch und Vergänglichkeit. Der Vater lauscht. Die Figuren sind gefangen in ihrer eigenen Sprache, in der Kunst als Ersatz-Religion, und können sich nicht befreien. Das Stück endet in einer fast rituellen Schlusszeremonie.
Kulturelle Bedeutung
Der Ignorant und der Wahnsinnige ist Bernhards erste große Theaterarbeit nach Jahren als Romancier und setzt den Stil fest, der seine Dramatik prägen wird: lange Monologe, musikalisch strukturierte Sprache, bewusstes Auseinanderfallen zwischen körperlicher Präsenz und sprachlicher Masse. Claus Peymann, der die Uraufführung inszenierte, wurde für Jahrzehnte Bernhards wichtigster Theaterregisseur. Das Stück gilt als Prototyp des Bernhard-Stils, den Ritter, Dene, Voss und Heldenplatz später perfektionierten.