Der gute Mensch von Sezuan
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Der gute Mensch von Sezuan

Bertolt Brecht
Theater · 1943
Episches Theater

Über das Werk

Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan" entstand 1939-41 im Exil und wurde 1943 in Zürich uraufgeführt. Das Parabelstück in zehn Bildern und einer Schluss-Apotheose ist eines der wichtigsten Stücke des epischen Theaters und stellt die Frage, ob es in einer kapitalistischen Welt überhaupt möglich ist, gut zu sein.

Handlung

In der chinesischen Provinz Sezuan suchen drei Götter einen guten Menschen — sonst müssen sie verkünden, die Welt sei nicht zu retten. Der Wasserverkäufer Wang führt sie zu der jungen Prostituierten Shen Te, der einzigen, die ihnen ein Nachtlager gewährt. Die Götter belohnen Shen Te mit Geld; sie kauft einen kleinen Tabakladen. Bald aber strömen Schmarotzer, alte Bekannte, Schmugglerfamilien zu ihr; ihre Güte führt zum eigenen Ruin. Sie erfindet einen erfundenen Vetter „Shui Ta" — sie selbst, in Männerkleidung — der die Geschäftsdinge hart und konsequent regelt, Schmarotzer rauswirft, Geld eintreibt. Die zwei Identitäten Shen Te / Shui Ta wechseln sich ab. Shen Te liebt den Flieger Yang Sun, der sie für eine andere verlassen will und für eine reiche Heirat Geld braucht. Sie wird schwanger. Ein Bauarbeiter wird in Shui Tas Tabakfabrik tyrannisiert. Beim Gerichtsverfahren — die Götter sitzen als Richter — enthüllt Shen Te ihre doppelte Identität: „Sie sind nur einer, mein Schwager Shui Ta. Es ist alles eins." Die Götter sind ratlos: „Soll die Welt geändert werden? Wie? Von wem?" Sie verschwinden in den Wolken. Schluss-Spruch: „Es muss ein guter Mensch da sein. Suchen Sie ihn selbst."

Kulturelle Bedeutung

Der gute Mensch von Sezuan ist Brechts dialektisch dichtestes Stück und Mustertext für die Untrennbarkeit von Gutsein und Eigeninteresse im Kapitalismus. Die Doppelrolle Shen Te/Shui Ta gehört zu den großen Schauspiel-Aufgaben — bedeutsame Interpretinnen waren Helene Weigel, Hanne Hiob, Klaus Maria Brandauer (1985, mit Brüllen-Effekt). Berliner-Ensemble-Inszenierungen und die Filmversion mit Hilmar Thate sind Klassiker. Das Stück wird weltweit gespielt; das offene Schluss-Frage-Modell prägt Brechts Theater-Ideal.

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