Über das Werk
Richard Wagners romantische Oper in drei Aufzügen wurde 1843 am Königlichen Hoftheater Dresden uraufgeführt und ist das früheste seiner Werke, das sich im internationalen Repertoire gehalten hat. Ursprünglich als Einakter konzipiert, wird sie oft pausenlos gegeben, wie es Wagners späterer Vorstellung entsprach. Das Libretto ist Wagners eigene Bearbeitung von Heinrich Heines ironischer Nacherzählung der Holländer-Sage; Anregung fand er auf einer stürmischen Seereise von Riga nach London.
Handlung
Der Holländer, ein Seekapitän, der wegen eines frevelhaften Schwurs dazu verdammt ist, ewig die Meere zu befahren, darf alle sieben Jahre an Land gehen, um Erlösung durch die treue Liebe einer Frau zu suchen. Sein Geisterschiff läuft in einen norwegischen Hafen ein, und er freundet sich mit dem Kapitän Daland an, der ihm im Tausch gegen Schätze seine Tochter Senta verspricht. Senta ist seit jeher von der Ballade und dem Bildnis des Holländers fasziniert und schwört ihm Treue. Doch der Holländer deutet ihr Zögern als Verrat und sticht in See. Senta stürzt sich von der Klippe ins Meer; das Schiff versinkt, und beide steigen erlöst empor.
Kulturelle Bedeutung
Der fliegende Holländer ist die erste Oper, in der Wagner sein Leitthema der Erlösung durch weibliche Selbstaufopferung gestaltet – ein Motiv, das in Tannhäuser, Tristan und im Ring wiederkehren sollte. Sentas Ballade im zweiten Aufzug verdichtet die Handlung zu einer volksliedhaften Erzählung mit unheimlichen modalen Harmonien, die Wagners reifen Stil vorwegnehmen. Harry Kupfers Bayreuther Inszenierung von 1978, die den Holländer als Fieberhalluzination Sentas deutete, wurde zum Vorbild für das moderne Regietheater im Umgang mit Wagner.
