Über das Werk
Der erste Mensch (französisch „Le Premier Homme") ist Albert Camus' unvollendeter autobiografischer Roman, dessen Manuskript bei seinem Unfalltod 1960 gefunden und erst 1994 veröffentlicht wurde; er liegt diversen Bühnenfassungen zugrunde. Das Werk schildert Camus' Kindheit im kolonialen Algerien.
Handlung
Der erwachsene Jacques Cormery, Camus' Alter Ego, macht sich auf die Suche nach dem Vater, den er nie kannte – er fiel im Ersten Weltkrieg, als Jacques ein Jahr alt war. Die Spurensuche führt ihn zurück in seine Kindheit in der Armut von Algier: zur stummen, fast analphabetischen Mutter, zur strengen Großmutter, zum prägenden Lehrer, der sein Talent erkannte. In eindringlichen Bildern entsteht das Porträt eines Jungen, der ohne Vater, ohne Geld, aber voller Lebenshunger zwischen den Kulturen Nordafrikas aufwächst und sich seine Welt selbst erschaffen muss.
Kulturelle Bedeutung
Der erste Mensch gilt als Camus' persönlichstes und reifstes Werk, eine zärtliche Liebeserklärung an seine Herkunft und seine Mutter. Das Fragment gewährt tiefen Einblick in die Wurzeln seines Denkens über Armut, Würde und die Suche nach Sinn. Trotz seiner Unvollendetheit wird es zu den großen Texten der französischen Literatur gezählt und vielfach für die Bühne adaptiert; die Verfilmung von 2011 trug es einem breiten Publikum zu.
