Über das Werk
Gerhart Hauptmanns „Diebeskomödie" wurde 1893 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt und gehört zu den meistgespielten Stücken des deutschen Naturalismus. Das Werk, in brandenburgischem Dialekt verfasst, parodiert preußische Obrigkeit und zeigt Hauptmann von seiner komödiantischen Seite — eine Ausnahme in seinem ansonsten tragisch geprägten Œuvre.
Handlung
Die resolute Waschfrau Mutter Wolffen stiehlt in einem märkischen Dorf um 1880 zunächst Brennholz, dann einen wertvollen Biberpelz. Der preußische Amtsvorsteher Wehrhahn, ein kleingeistiger Wichtigtuer, jagt statt der Diebin lieber den politisch verdächtigen Dr. Fleischer und übersieht das offensichtliche Verbrechen vor seiner Nase. Mutter Wolffen profitiert von der Blindheit der Obrigkeit und bleibt ungeschoren — eine bittere Komödie über Gerechtigkeit, die dort versagt, wo sie am nötigsten wäre.
Kulturelle Bedeutung
Der Biberpelz ist eine der schärfsten Satiren der deutschen Theaterliteratur und wird bis heute regelmäßig gespielt. Die Figur der Mutter Wolffen gehört zum kanonischen Repertoire deutscher Schauspielerinnen. Hauptmann zeigt, dass soziale Gerechtigkeit im preußischen Staat eine Frage der Perspektive ist — und dass eine pragmatische Diebin moralisch ehrlicher sein kann als der obrigkeitsgläubige Beamte. Das Stück wurde 1928 von Erich Engel verfilmt und ist Pflichtlektüre an deutschen Schulen.
