Über das Werk
Friedrich Dürrenmatts tragische Komödie in drei Akten wurde 1956 in Zürich uraufgeführt und ist sein populärstes Stück und Hauptwerk der Schweizer Theatergeschichte. Das Werk verbindet groteske Komödie mit moralischer Tragödie und stellt die Frage: Wie viel Geld braucht es, damit eine Gemeinschaft einen Mord beschließt?
Handlung
In das verarmte Provinzstädtchen Güllen kehrt Claire Zachanassian zurück — die reichste Frau der Welt, einst als junges Mädchen aus dem Ort vertrieben. Sie kommt mit Sarg, Diener, Eunuchen, Tigerkäfig und einem schwarzen Panther. Dem Bürgermeister bietet sie eine Milliarde an — wenn die Bürger Alfred Ill töten, ihren Jugendgeliebten, der sie damals geschwängert und mit gefälschten Zeugen vor Gericht verstoßen hatte (sie musste nach Hamburg gehen, wurde Prostituierte, heiratete sich nach oben). Die Gülleners weisen das Angebot empört zurück. Doch nach und nach beginnen sie, auf Kredit zu kaufen, neue Kleidung, gelbe Schuhe — Ill bemerkt mit Schrecken: Sie werden ihn töten, sie wissen es nur noch nicht. Im dritten Akt versammelt sich die ganze Stadt zur „demokratischen Abstimmung" — alle stimmen für Ills Tod, aus moralischen Gründen, „weil er einst Unrecht getan hat". Ill, am Ende der Hoffnung, akzeptiert. Die Männer treten in einer Gasse zusammen — der Mord geschieht hinter geschlossenen Türen. Der Arzt erklärt: „Tod aus Freude." Claire nimmt den Sarg mit, lässt das Geld da. Die Stadt feiert ihr Glück.
Kulturelle Bedeutung
Der Besuch der alten Dame ist das meistgespielte Schweizer Drama und ein Schlüsselwerk der politischen Allegorie über materiellen Korrumpierbarkeit. Das Stück wurde mehrfach verfilmt (Bernhard Wickis Version 1964 mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn) und zu einer Oper Gottfried von Einems (1971) verarbeitet. Auf deutschen Bühnen Standardrepertoire; Inszenierungen Frank Castorfs, Andreas Kriegenburgs, Frank Baumbauers gelten als Referenzen.
