Über das Werk
De Profundis ist eine Bühnenfassung des berühmten Briefes, den Oscar Wilde 1897 während seiner zweijährigen Haft im Zuchthaus Reading verfasste. Der lange Brief richtet sich an seinen einstigen Geliebten Lord Alfred „Bosie" Douglas, dessen Vater Wildes Verurteilung wegen „grober Unzucht" ausgelöst hatte. Der Text erschien erst 1905, fünf Jahre nach Wildes Tod, postum und zunächst stark gekürzt.
Handlung
De Profundis (lateinisch „Aus der Tiefe") ist kein dramatisches Handlungsstück, sondern eine Abrechnung und ein Bekenntnis. Wilde blickt auf seinen kometenhaften Aufstieg als gefeierter Dramatiker und Dandy zurück und auf den jähen Absturz in Schande, Bankrott und Gefängnis. Er reflektiert über seine zerstörerische Beziehung zu Douglas, über Eitelkeit und Selbstzerstörung, über Schmerz als Weg zur Erkenntnis und über die Gestalt Christi als höchsten Künstler und Individualisten. Aus dem bittersten Punkt seines Lebens heraus entwickelt Wilde eine Philosophie des Leidens und der Demut. Bühnenfassungen verdichten diesen inneren Monolog zu einem ergreifenden Solo-Bekenntnis eines gefallenen Künstlers.
Kulturelle Bedeutung
De Profundis ist eines der bewegendsten Dokumente der Weltliteratur über Schuld, Leiden und künstlerische Selbsterkenntnis und der intimste Text Oscar Wildes. Der Brief zeigt eine völlig andere Seite des berühmten Wortwitzlers — verletzlich, philosophisch, von tiefem Ernst. Als Theatermonolog wird der Text immer wieder von großen Schauspielern interpretiert, weil er das Porträt eines Mannes zeichnet, der vom gefeierten Star zum Ausgestoßenen wurde und im Untergang zu einer neuen, demütigeren Wahrheit fand.
