Über das Werk
Johann Sebastian Bachs „Das Wohltemperierte Klavier" (BWV 846-893) erschien in zwei Bänden: der erste 1722 in Köthen, der zweite 1740-44 in Leipzig. Jeder Band enthält 24 Präludien und Fugen — je eines in jeder der 12 Dur- und 12 Moll-Tonarten der chromatischen Tonleiter. Das Werk ist Bachs systematische Demonstration der wohltemperierten Stimmung und gilt als „Altes Testament" der Klaviermusik.
Handlung
Die zwei Bände — oft als WTK I und WTK II zitiert — folgen demselben Aufbau: 24 Paare aus Präludium und Fuge, durchgeschlagen die chromatische Tonleiter (C-Dur, c-Moll, Cis-Dur, cis-Moll, D-Dur, d-Moll ...). Die Präludien sind in Stil und Form höchst unterschiedlich — von Toccata-haftigen Eröffnungsstücken über Tänze (Allemanden, Gigues) bis zu meditativen ariosi. Die Fugen variieren in der Stimmenzahl von zwei bis fünf Stimmen und repräsentieren das gesamte kontrapunktische Vokabular der Bach-Zeit. Bekannte Stücke: das berühmte C-Dur-Präludium (von Charles Gounod als „Ave Maria" überarbeitet), die viertaktige Fuge in cis-Moll (eine der dichtesten Fugen Bachs), die b-Moll Fuge mit ihrem klagenden Charakter, das Es-Dur-Präludium aus Band II.
Kulturelle Bedeutung
Das Wohltemperierte Klavier ist Pflicht-Repertoire jedes Pianisten und Organisten und wurde 1801 als „Bibel des Pianisten" von Hans von Bülow neben Beethovens Sonaten („Neues Testament") gestellt. Beeinflusste alle späteren Komponisten: Mozart studierte Bachs Fugen, Beethovens „Eroica"-Variationen zitieren WTK, Chopins Préludes-Reihe op. 28 ist eine direkte Antwort auf das Bach-Modell, Schostakowitschs „24 Präludien und Fugen" op. 87 (1951) ist die wichtigste moderne Fortsetzung. Berühmte Aufnahmen: Edwin Fischer (1933-36, erste komplette Einspielung), Glenn Gould, Sviatoslaw Richter, Walter Gieseking, András Schiff, Daniel Barenboim.
