Über das Werk
Das Schloss ist eine Bühnenfassung des unvollendeten, postum 1926 von Max Brod herausgegebenen letzten Romans von Franz Kafka. Das Werk gilt als eines der zentralen Sinnbilder der literarischen Moderne für die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber einer undurchschaubaren, allmächtigen Bürokratie. Der Roman bricht — wie Kafkas Manuskript selbst — mitten im Satz ab.
Handlung
Der Landvermesser K. trifft an einem Winterabend in einem Dorf ein, das von einem geheimnisvollen Schloss beherrscht wird, das angeblich dem Grafen Westwest gehört. K. behauptet, vom Schloss als Landvermesser bestellt worden zu sein, doch niemand kann das bestätigen oder dementieren. In endlosen, absurden Verhandlungen mit Boten, Sekretären und Dorfbewohnern versucht K. vergeblich, Zugang zur Schlossverwaltung und damit Anerkennung seiner Existenz zu erlangen. Er nimmt eine Stelle als Schuldiener an, beginnt eine Beziehung mit der Schankkellnerin Frieda, einer ehemaligen Geliebten des mächtigen Beamten Klamm — doch das Schloss bleibt unerreichbar. Je mehr K. sich bemüht, desto undurchdringlicher wird das System; das Ziel rückt mit jedem Schritt weiter weg.
Kulturelle Bedeutung
Das Schloss ist neben „Der Process" Kafkas bedeutendstes Romanfragment und prägte den Begriff des „Kafkaesken" — die alptraumhafte Erfahrung einer Welt, in der Logik und Macht sich jeder Begreifbarkeit entziehen. Max Brod deutete das Schloss als Sinnbild der göttlichen Gnade; spätere Lesarten sehen darin eine Vorwegnahme totalitärer Bürokratie und existenzieller Heimatlosigkeit. Der Stoff wurde vielfach für Theater (u. a. durch Max Brod selbst), Film (Michael Haneke, 1997) und Oper (Aribert Reimann, 1992) adaptiert und gehört zum Kern der literarischen Weltliteratur des 20. Jahrhunderts.
