Über das Werk
Léo Delibes' komisches Ballett in drei Akten wurde am 25. Mai 1870 an der Pariser Oper uraufgeführt und basiert auf E. T. A. Hoffmanns unheimlicher Erzählung „Der Sandmann", die hier jedoch ins Heitere gewendet ist. Die ursprüngliche Choreografie stammte von Arthur Saint-Léon. Es war das letzte Ballett, das vor dem Deutsch-Französischen Krieg an der Pariser Oper entstand; die erste Coppélia-Tänzerin Giuseppina Bozzacchi starb mit nur siebzehn Jahren während der Belagerung von Paris.
Handlung
Das junge Mädchen Swanilda entdeckt, dass die schöne Coppélia, in die sich ihr Verlobter Franz verliebt hat, nur eine mechanische Puppe des exzentrischen Erfinders Dr. Coppélius ist, die regungslos auf dem Balkon sitzt. Neugierig dringt Swanilda mit ihren Freundinnen in die Werkstatt voller lebensgroßer Automaten ein. Als Coppélius den verträumten Franz dabei ertappt, wie er ebenfalls eindringt, will er dessen Lebensgeist auf seine Puppe übertragen. Swanilda gibt sich als die zum Leben erwachte Coppélia aus, entlarvt durch ihr geschicktes Spiel die Illusion und gewinnt Franz zurück. Das Dorf feiert die Versöhnung des Paares mit einem großen Fest.
Kulturelle Bedeutung
Coppélia ist eines der beliebtesten komischen Ballette des klassischen Repertoires und verbindet virtuose Tanztechnik mit heiterer Pantomime. Delibes' farbenreiche, sinfonisch durchgearbeitete Musik gilt als wegweisend für die Entwicklung der Ballettmusik und beeinflusste Tschaikowski maßgeblich, der Delibes ausdrücklich bewunderte. Der Csárdás und die Walzerszenen gehören zum festen Bestand des Repertoires, und die Doppelrolle der Swanilda/Coppélia verlangt komödiantisches Talent ebenso wie klassische Brillanz.
