Über das Werk
Johann Sebastian Bachs „Sechs Suiten für Violoncello solo" (BWV 1007-1012) entstanden vermutlich um 1717-23 in Köthen — keine autographe Partitur ist erhalten. Die Werke gehören zu den höchsten technischen und musikalischen Herausforderungen für jeden Cellisten und sind die einzigen Solo-Cellokompositionen der Hochbarockzeit von kanonischem Rang.
Handlung
Die sechs Suiten folgen einem ähnlichen Modell: Préludium, Allemande, Courante, Sarabande, zwei Galanterien (Menuett, Bourrée oder Gavotte) und Gigue. Suite Nr. 1 G-Dur ist die populärste, mit dem ikonischen, gebrochenen Akkord-Eröffnungs-Préludium. Nr. 2 d-Moll ist düster und meditativ. Nr. 3 C-Dur strahlt heroisch. Nr. 4 Es-Dur ist wegen ihrer schwierigen Tonart eine besondere Herausforderung. Nr. 5 c-Moll erfordert eine Skordatur (Umstimmung der oberen Saite) und enthält die berühmteste Sarabande des Repertoires. Nr. 6 D-Dur war für ein fünfsaitiges Instrument geschrieben (Violoncello piccolo) und stellt jeden Cellisten vor extreme Lagen-Herausforderungen.
Kulturelle Bedeutung
Die Cellosuiten waren bis ins 20. Jahrhundert weitgehend vergessen — galten als bloße Übungsstücke. Erst Pablo Casals entdeckte 1890 als 13-jähriger eine zerfledderte Notenausgabe in einem Antiquariat in Barcelona, übte sie jahrzehntelang heimlich, und nahm sie 1936-39 auf — diese Aufnahme veränderte die Wahrnehmung der Werke fundamental. Heute zählen die Suiten zu den meistaufgenommenen Klassikern; jeder bedeutende Cellist nimmt sie ein- oder mehrmals auf (Mstislaw Rostropowitsch, Yo-Yo Ma, Pierre Fournier, Anner Bylsma). Sie gelten als „die Bibel des Cellisten".
