Über das Werk
Cardillac ist eine Oper in drei Akten von Paul Hindemith auf ein Libretto von Ferdinand Lion nach der Novelle „Das Fräulein von Scuderi" von E. T. A. Hoffmann. Die Uraufführung fand am 9. November 1926 am Sächsischen Staatstheater (Semperoper) in Dresden unter der Leitung von Fritz Busch statt. Hindemith schuf 1952 eine grundlegend überarbeitete Fassung. Musikalisch verbindet das Werk die Nüchternheit der Neuen Sachlichkeit mit barocken Formmodellen (Nummernoper, Fugen, Concerto-Sätze) und zählt zu den bedeutendsten deutschen Opern der 1920er-Jahre.
Handlung
Im Paris des 17. Jahrhunderts genießt der Goldschmied Cardillac höchstes Ansehen für seine kunstvollen Schmuckstücke. Doch er kann sich von seinen Werken nicht trennen: Um sie zurückzugewinnen, ermordet er heimlich die Käufer. Eine Serie mysteriöser Morde versetzt die Stadt in Angst. Als der Verdacht sich zuspitzt und seine Tochter sich einem Offizier zuwendet, wird Cardillac schließlich entlarvt und von der aufgebrachten Menge getötet – ein Künstler, den die Besessenheit von der Vollkommenheit seiner Kunst in Wahnsinn und Tod treibt.
Kulturelle Bedeutung
Cardillac gilt als Schlüsselwerk der Neuen Sachlichkeit im Musiktheater und als Hindemiths erste abendfüllende Oper von Rang. Die Verbindung einer distanzierten, linear-kontrapunktischen Musiksprache mit einem hochexpressiven Sujet – der tödlichen Obsession des schöpferischen Menschen mit seinem eigenen Werk – hat das Stück zu einem vieldiskutierten Beispiel für das Verhältnis von Künstler und Kunst gemacht. Es wird bis heute an internationalen Häusern gespielt.
