Burgtheater
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Burgtheater

Elfriede Jelinek
Theater · 1985
DramaZeitgenössisches Drama

Über das Werk

Elfriede Jelineks Stück entstand 1982 und wurde 1985 am Schauspiel Bonn uraufgeführt — in Österreich selbst lange Zeit nicht aufführbar. Die Autorin verarbeitet darin die Biographien österreichischer Burgtheater-Schauspieler der NS-Zeit, insbesondere Paula Wessely, Attila Hörbiger und deren Familie. Das Werk ist eine scharfe Abrechnung mit der Lebenslüge der österreichischen Kultureliten nach 1945.

Handlung

Im Zentrum steht die Schauspielerfamilie „Burgtheater" — erkennbar als Hörbiger-Wessely-Dynastie — im Wien der 1940er Jahre. Käthe und Istvan, gefeierte Stars auf der Bühne und im Film, profitieren vom Nazi-Regime. Ihre Schwester Mizzi, naiv und abhängig, wird zum Opfer der Familie. Nach dem Krieg verdrängen alle ihre Rolle im Nationalsozialismus und spielen die Entlasteten. Jelinek lässt ihre Figuren in einer Kunstsprache aus Dialekt, Sprechmanier und Kalauern sprechen, die deren moralischen Bankrott zugleich verbirgt und entblößt. Es gibt keine lineare Handlung, sondern eine Montage von Szenen, die die Heuchelei immer neuer Generationen vorführt.

Kulturelle Bedeutung

Burgtheater löste bei seiner Uraufführung einen österreichweiten Skandal aus und wurde als „Nestbeschmutzung" verurteilt. Bis heute gilt es als Schlüsseltext zur österreichischen Aufarbeitungsverweigerung nach 1945. Jelineks Sprachmontagen prägten das dokumentarische und postdramatische Theater der Folgejahrzehnte mit. Die Autorin erhielt 2004 den Literaturnobelpreis, teilweise für genau diese unbeirrte Auseinandersetzung mit den Dunkelstellen österreichischer Geschichte. Aufführungen in Wien fanden erst nach vielen Jahren statt — als die Debatte endlich führbar wurde.

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