Über das Werk
„Bookpink: New Arrivals" ist eine Theaterproduktion des Deutschen Theaters Berlin (Regie: Jorinde Dröse), die das gefiederte Bühnenkosmos der Autorin Caren Jeß fortschreibt. „Bookpink" – plattdeutsch für „Buchfink" – ist ein „dramatisches Kompendium", in dem Vögel das gesamte Personal bilden: In poetisch-komischen Miniaturen treten sie als sprechende Figuren auf und werden zum Spiegel menschlicher Abgründe, sozialer Schieflagen und hitziger gesellschaftlicher Debatten. „New Arrivals" versammelt neue Szenen aus dem Leben dieser Vögel.
Handlung
Statt einer durchgehenden Handlung reiht das Stück eine Folge von Vogel-Auftritten aneinander – jede Figur ein eigener Charakter, eine eigene kleine Tragikomödie. Die Vögel sind dabei alles andere als frei: Sie erscheinen als Gefangene ihrer Rollen und Verhältnisse. Aus dem ursprünglichen „Bookpink" stammen etwa die Flamingos, die eine Rabenmutter ihrem Sohn zum Spielen überlässt, die eitle Pute, die in ihrer eigenen Esoterik-Welt lebt, oder die weiße Taube, die auf einem Campingplatz haust und sich nach einem barocken Leben voller Musik – Händel, Vivaldi, Bach – sehnt. „New Arrivals" führt diesen Reigen mit neuen gefiederten Figuren fort und nutzt die Tierfabel, um menschliches Verhalten überspitzt und zärtlich zugleich zu beleuchten.
Kulturelle Bedeutung
Caren Jeß zählt zu den auffälligsten jungen Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik; das ursprüngliche „Bookpink" (UA 2019 am Schauspielhaus Graz) wurde 2020 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen und machte ihren eigenwilligen, sprachverliebten Ton bekannt. Die Form der Tierfabel erlaubt es, gesellschaftliche Fragen – Macht, Anpassung, Sehnsucht, Ausgrenzung – mit Humor und Doppelbödigkeit zu verhandeln, ohne zu belehren. Dass das Deutsche Theater den Stoff mit „New Arrivals" fortschreibt, zeigt die anhaltende Bühnenwirksamkeit von Jeß' Vogel-Kosmos.
