Über das Werk
Blutbuch ist das vielfach ausgezeichnete Debüt von Kim de l'Horizon, das in zahlreichen Bühnenfassungen über die Theater des deutschsprachigen Raums gegangen ist. Der zugrunde liegende Roman erschien 2022 und wurde im selben Jahr mit dem Deutschen Buchpreis und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. In autofiktionaler Form erzählt Kim de l'Horizon – eine genderfluide, nichtbinäre Schweizer Autor*in – von Identität, Körperlichkeit und Herkunft. Auf der Bühne wird der polyphone, sprachmächtige Text zu einem facettenreichen Abend zwischen Erzählung, Performance und Verwandlung.
Handlung
Die nichtbinäre Erzählfigur Kim ist in einem Schweizer Vorort aufgewachsen, lebt nun in Zürich und hat sich aus den engen Strukturen der Herkunft befreit. Als die Großmutter – auf Schwyzerdütsch die „Großmeer" – an Demenz erkrankt, sieht sich Kim mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Im Schreiben taucht die Figur tief in die Vergangenheit ein, sucht einen Weg aus dem Schweigen von Mutter und Großmutter und ringt um die eigene Identität und Geschlechtlichkeit. So entsteht zugleich ein Aufbegehren gegen die Zwänge gesellschaftlicher Normierung – eine Identitätsrevolte und Generationengeschichte zwischen Schmerz, Witz und Zärtlichkeit.
Kulturelle Bedeutung
Blutbuch gilt als Vorzeigebeispiel queerer Gegenwartsliteratur und hat eine breite Debatte über Geschlecht, Sprache und Sichtbarkeit angestoßen. Der Erfolg des Romans führte dazu, dass gleich mehrere Theater im deutschsprachigen Raum eigene Bühnenfassungen herausbrachten – von Hannover über Bern und Zürich bis Wien. Mit seiner radikalen Sprachlichkeit und seiner Verschränkung von persönlicher und gesellschaftlicher Erzählung steht Blutbuch exemplarisch für ein Theater, das Identität als offenen, vielstimmigen Prozess begreift.
