Über das Werk
Biedermann und die Brandstifter. Ein Lehrstück ohne Lehre ist ein Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, das am 29. März 1958 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde. Dem Stück gingen eine Prosaskizze von 1948 (unter dem Eindruck der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei) und ein Hörspiel von 1953 voraus. Für die deutsche Erstaufführung in Frankfurt fügte Frisch ein Nachspiel hinzu. Neben Andorra ist es Frischs bekanntestes Drama und fester Schulstoff.
Handlung
Der wohlhabende Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann liest in der Zeitung von einer Serie von Brandstiftungen, bei denen sich die Täter stets als harmlose Hausierer bei ihren Opfern einnisten. Als der obdachlose Ringer Schmitz vor seiner Tür steht und um Unterschlupf bittet, nimmt Biedermann ihn aus Feigheit und falsch verstandener Gutmütigkeit auf dem Dachboden auf — bald gefolgt vom zweiten Brandstifter Eisenring. Obwohl die beiden offen Benzinfässer, Zündschnüre und Zünder heranschaffen, verdrängt Biedermann jede Warnung, biedert sich an und lädt sie sogar zum Festmahl. Den um sein Patent betrogenen Angestellten Knechtling, der sich daraufhin das Leben nimmt, weist er ab. Schließlich reicht Biedermann den Brandstiftern selbst die Streichhölzer — und sein Haus, ja die ganze Stadt geht in Flammen auf.
Kulturelle Bedeutung
Biedermann und die Brandstifter bedeutete für den als Romancier bereits erfolgreichen Frisch den Durchbruch als Dramatiker. Die Parabel über den Opportunismus und die selbstverschuldete Blindheit des Bürgers wurde vielfach gedeutet — als Gleichnis auf die nationalsozialistische Machtübernahme von 1933 ebenso wie auf jede Form populistischer Verführung. Frisch selbst verweigerte zeitlebens eine eindeutige Auflösung, wer die Brandstifter „eigentlich" seien. Das Stück gehört zu den meistgespielten deutschsprachigen Dramen des 20. Jahrhunderts und ist bis heute fester Bestandteil des Schulkanons.
