Über das Werk
Harold Pinters meisterhaftes Dreipersonenstück „Betrayal" wurde 1978 am National Theatre in London uraufgeführt. Seine Besonderheit: Es erzählt eine Ehebruchsgeschichte rückwärts in der Zeit — von ihrem Ende bis zu ihrem Anfang. Pinter verarbeitete darin teils autobiografische Erfahrungen aus seiner langjährigen Affäre mit der Fernsehmoderatorin Joan Bakewell.
Handlung
Der Literaturagent Jerry und Emma, die Frau seines besten Freundes, des Verlegers Robert, haben über Jahre eine geheime Affäre geführt. Das Stück beginnt 1977, zwei Jahre nach dem Ende der Beziehung, bei einem letzten, melancholischen Treffen der ehemaligen Liebenden. Von dort arbeitet sich die Handlung in neun Szenen chronologisch rückwärts: durch die Entdeckung des Betrugs, die heimlichen Treffen in einer angemieteten Wohnung, bis hin zum ersten Funken der Leidenschaft auf einer Party im Jahr 1968. Weil der Zuschauer das Ende von Anfang an kennt, gewinnt jede frühere Szene eine bittere Ironie: Jedes Versprechen, jede Zärtlichkeit ist im Licht des bereits Gewussten von Täuschung durchdrungen.
Kulturelle Bedeutung
Betrogen ist eines der meistgespielten Werke des Nobelpreisträgers Harold Pinter und ein Musterbeispiel seiner präzisen, von Pausen und Andeutungen geprägten Dramaturgie. Die rückwärts laufende Chronologie verwandelt ein konventionelles Boulevardthema in eine tiefgründige Studie über Erinnerung, Selbsttäuschung und die Relativität der Wahrheit. Das Stück wurde mehrfach verfilmt, zuletzt prägend mit Jeremy Irons (1983), und gehört zum festen Repertoire internationaler Bühnen.
