Über das Werk
Georg Friedrich Händels Oratorium in drei Akten wurde 1745 im Londoner King's Theatre uraufgeführt. Das Libretto von Charles Jennens — kurz nach „Messiah" entstanden — basiert auf dem alttestamentlichen Buch Daniel und schildert den Untergang des babylonischen Königs Belshazzar in der Nacht des berühmten Festmahls.
Handlung
Babylon ist von den Persern unter Cyrus belagert. Königinmutter Nitocris warnt ihren leichtsinnigen Sohn Belshazzar vor der Bedrohung, doch er gibt ein prachtvolles Festmahl und lässt die heiligen Tempelgefäße aus Jerusalem entweihen. Während die Höflinge zechen, erscheint die geheimnisvolle Schrift an der Wand: „Mene, mene, tekel, upharsin". Der jüdische Prophet Daniel deutet die Worte als Gottes Urteil — Belshazzars Reich ist gewogen und zu leicht befunden. In derselben Nacht öffnet der Verräter Gobrias den Persern die Tore. Cyrus tötet Belshazzar im Kampf, befreit die in Babylon gefangenen Juden und erlässt das Edikt, das ihnen den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem erlaubt.
Kulturelle Bedeutung
Belshazzar gehört zu Händels dramatisch kühnsten englischen Oratorien und steht „Messiah" und „Israel in Egypt" kompositorisch ebenbürtig zur Seite. Der Schriftzug-Chor und Daniels große Deutungs-Arie sind theologische und musikalische Höhepunkte. Die Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert — besonders durch Aufführungen unter John Eliot Gardiner und René Jacobs — etablierte das Werk als zentralen Bestandteil des Händel-Renaissance-Repertoires.
