Über das Werk
„Avant-Garde" ist ein dreiteiliger Ballettabend des Balletts des Národní divadlo (Tschechisches Nationaltheater) in Prag, der am 12. März 2026 Premiere hatte. Das Triptychon versammelt Jiří Kyliáns Meisterwerk „27'52"" sowie zwei eigens geschaffene neue Arbeiten: Robert Bondaras „4 Seasons" und Marco Goeckes „Lovebirds". Obwohl unabhängig voneinander entstanden, kreisen die drei Stücke gemeinsam um das Vergehen der Zeit und die Fragilität des Lebens. Die Kritik zählte den Abend zu den stärksten Tanz-Triptychen des Hauses seit Jahren.
Handlung
„27'52"" (2002) ist Gerald Tibbs gewidmet, einem früheren Tänzer des Nederlands Dans Theater; Titel und Dauer beziehen sich auf dessen Geburtsdatum (20. Juli 1952). Kyliáns Stück ist eine Meditation über die Zeit und ihre Relativität. Robert Bondaras „4 Seasons" ist von Max Richters Neukomposition von Vivaldis „Vier Jahreszeiten" inspiriert; mit Papierelementen in Bühnenbild und Kostümen symbolisiert Bondara die menschliche Zerbrechlichkeit und die Spuren der Zeit. Den Abend beschließt „Lovebirds" des für seinen hochexpressiven, körperlich intensiven Stil bekannten deutschen Choreografen Marco Goecke; das eigens für dieses Programm geschaffene Stück verbindet Musik des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů mit Songs von James Brown.
Kulturelle Bedeutung
Der Abend führt mit Jiří Kylián einen der prägendsten Choreografen des 20. und 21. Jahrhunderts mit zwei markanten zeitgenössischen Stimmen zusammen – dem polnischen Choreografen Robert Bondara und Marco Goecke, einem der eigenwilligsten Vertreter des deutschen Tanztheaters. Programmatisch verbindet „Avant-Garde" Repertoirepflege mit der Förderung neuer Choreografie und unterstreicht den Anspruch des Prager Nationaltheater-Balletts, internationale Spitzenchoreografie mit Uraufführungen zu verknüpfen. Das gemeinsame Thema von Zeit und Vergänglichkeit gibt dem stilistisch heterogenen Abend innere Geschlossenheit.
