Über das Werk
Leoš Janáčeks letzte Oper „Aus einem Totenhaus" („Z mrtvého domu") wurde 1930 — postum nach Janáčeks Tod 1928 — in Brünn uraufgeführt. Das Libretto, vom Komponisten selbst verfasst, basiert auf Fjodor Dostojewskis Roman „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" (1862), seiner literarisch verarbeiteten Erfahrung in einem sibirischen Straflager.
Handlung
In einem sibirischen Straflager am Irtysch trifft der politische Gefangene Alexander Petrowitsch Goryanchikov ein. Er wird von einem Wärter zusammengeschlagen, dann der Gemeinschaft der Gefangenen zugeordnet. Es gibt keine konventionelle Handlung — die drei Akte bestehen aus rituellen Lager-Szenen, in denen einzelne Gefangene ihre Vorgeschichte erzählen: Luka Kuzmič tötete einen Major, der ihn quälte; Skuratow erschoss in Eifersucht den Verlobten seiner Geliebten; Šiškov beendet den dritten Akt mit einer langen Erzählung über die Ermordung seiner Frau Akulka. Zwischen den Erzählungen: Festtag mit Theater-Aufführung der Gefangenen (Don Juan und der Müller), Krankenstation, in der Luka stirbt. Am Ende wird Goryanchikov überraschend begnadigt; ein verletzter Adler, den die Gefangenen gepflegt hatten, fliegt in die Freiheit auf. Während Goryanchikov das Lager verlässt, bleibt das Lager-Leben unverändert weiter.
Kulturelle Bedeutung
Aus einem Totenhaus ist Janáčeks radikalstes Werk und gilt als kompromisslosestes Beispiel der „Konzentrationslager-Oper" avant la lettre. Die Partitur — geprägt von kurzen, scharfen Motiven, Kettengeräuschen, jähen Klangeruptionen — beeinflusste die Oper des 20. Jahrhunderts stark. Patrice Chéreaus letzte Inszenierung an Wien/Aix-en-Provence (2007) war ein epochaler Theaterabend; Krzysztof Warlikowski und Frank Castorf haben das Werk für die Gegenwart neu gelesen. Die Schlussworte „In jedem Lebewesen ist ein göttlicher Funke" — kehren als musikalische Verklärung wieder.
