Über das Werk
„Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer" ist ein Theaterstück von Anna Behringer, das am 30. Januar 2025 am Schauspiel Leipzig uraufgeführt wurde (Regie: Thirza Bruncken). In klarer, schnörkelloser Sprache schildert der Abend die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt neurodivergenter Menschen; er wurde zu den 51. Mülheimer Theatertagen eingeladen.
Handlung
Im Zentrum stehen zwei Geschwister, die Sprache hören, sehen, fühlen und verstehen können, denen es aber schwerfällt, ihre Umgebung zu begreifen. Von Ärzt:innen werden sie nicht als „echte Menschen", sondern als „Automaten" klassifiziert. Schließlich werden sie in einem weißen Zimmer untergebracht, umgeben von medizinischem Personal und weiteren Menschen mit Diagnosen, deren Art zu fühlen und zu erleben als „anders" gilt. Anna Behringer gibt diesen Innenwelten eine Stimme und macht das Erleben von Ausgrenzung und Pathologisierung unmittelbar erfahrbar. (Der Abend behandelt Themen wie Psychiatrie, Ausgrenzung, Selbstverletzung und Suizid.)
Kulturelle Bedeutung
Das Stück reiht sich in ein wachsendes Interesse des Gegenwartstheaters an Neurodivergenz und an der Kritik psychiatrischer Normsetzung ein. Indem es konsequent die Perspektive der als „anders" Klassifizierten einnimmt, hinterfragt es, wer darüber bestimmt, was als „normal" oder „echt menschlich" gilt. Die Einladung zu den Mülheimer Theatertagen unterstreicht den Rang von Anna Behringers Text innerhalb der neuen deutschsprachigen Dramatik.
