Über das Werk
Tom Stoppards „Arcadia" wurde 1993 am National Theatre in London uraufgeführt und gilt als sein Meisterwerk. Das Stück verbindet Mathematik, Chaos-Theorie, englische Landschaftsgartenkunst, Romantik-Forschung und Liebes-Komödie in zwei zeitlich verschränkten Erzählebenen — frühen 19. und spätem 20. Jahrhundert.
Handlung
Sidley Park, ein Landsitz in Derbyshire, schaltet zwischen 1809-12 und der Gegenwart hin und her. Im Jahr 1809 ist die 13-jährige Thomasina Coverly — ein mathematisches Genie — Schülerin des jungen Hauslehrers Septimus Hodge, des Freundes Lord Byrons. Sie entwickelt ahnungsvoll Konzepte der Chaos-Theorie, der nicht-euklidischen Geometrie und der Thermodynamik — 150 Jahre vor ihrer Zeit. Liebes-Verwicklungen: Mrs Chater (Frau eines mediokren Dichters) hat Affären mit jedem; Septimus, der mit Mrs Chater geschlafen hat, ist auch in Lady Croom verliebt; Byron erscheint als unsichtbare Nebenfigur. In der Gegenwart untersuchen die Literaturwissenschaftlerin Hannah Jarvis und der ehrgeizige Akademiker Bernard Nightingale (kompetitiv) Sidley Parks Geschichte. Bernard glaubt fälschlicherweise, einen Skandal um Byron entdeckt zu haben (er habe Mr Chater getötet). Valentine Coverly, der heutige Sohn des Hauses und Mathematiker, arbeitet an Computermodellen für Tier-Populationen — und entdeckt Thomasinas Notizbücher. Im Schluss-Bild fließen die Zeitebenen ineinander: 1812 tanzt Thomasina (eine Nacht vor ihrem 17. Geburtstag, an dem sie verbrennen wird) mit Septimus Walzer; in der Gegenwart tanzen Hannah und Gus (Valentines stummer Bruder) zur gleichen Musik. Zwei Welten, eine Choreografie.
Kulturelle Bedeutung
Arcadia ist Stoppards meisterhaftestes Werk und gilt als eines der größten Theaterstücke der englischen Sprache. Die Verbindung von Wissenschaftsgeschichte, literarischer Detektivarbeit und Liebes-Komödie ist einzigartig. Inszenierungen Trevor Nunns (Uraufführung), David Levaux (Broadway 2011), Carey Mulligan, Bel Powley als Thomasina prägen die Aufführungs-Tradition. Das Werk wird in englischen Schulen behandelt, ist Pflichttext jedes Theater-Studiums in der angelsächsischen Welt.
