Antigone (Anouilh)
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Antigone (Anouilh)

Jean Anouilh
Theater · 1944

Über das Werk

Jean Anouilhs „Antigone" wurde 1944 — unter deutscher Besatzung — in Paris uraufgeführt. Anouilh schrieb das Stück 1942 und übertrug Sophokles' antike Tragödie in die Gegenwart der Kollaboration und des Widerstands. Die Uraufführung war ein politischer Skandal: Anouilh ließ Antigones Widerstand und Kreons Kompromiss-Pragmatismus mit unklarer Sympathie inszenieren — beide Seiten beanspruchten das Werk für sich.

Handlung

Theben, „heute". Antigone, die jugendliche Tochter des verstorbenen Ödipus, kommt morgens aus der Stille heim. Ihre Schwester Ismene fragt sie, ob sie ihren Bruder Polyneikes begraben werde — Kreon, der König und Onkel, hat dies bei Todesstrafe verboten. Polyneikes war im Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Eteokles gekämpft, beide sind tot, Eteokles wurde mit Ehren begraben, Polyneikes liegt unbeerdigt vor der Stadt. Antigone hat schon die ersten Erdenkrümel auf Polyneikes' Leiche gestreut. Die Wachen entdecken sie. In der zentralen langen Begegnung mit Kreon will dieser sie retten — sie soll schweigen, dann bleibt der Vorfall unerwähnt. Antigone weigert sich. Anouilh ergänzt einen modernen psychologischen Subtext: Antigone ist nicht um den Bruder besorgt, sie sucht das Absolute, sie verachtet das Glück der „kleinen Leute". Kreon erklärt seinen Pragmatismus — jemand muss das Böse tun, damit die Welt funktioniert. Antigone bleibt stur. Sie wird hingerichtet (eingemauert). Hämon, ihr Verlobter (Kreons Sohn), tötet sich. Eurydike, Kreons Frau, tötet sich. Kreon bleibt allein zurück.

Kulturelle Bedeutung

Anouilhs Antigone ist die wichtigste französische Antike-Bearbeitung des 20. Jahrhunderts neben Cocteaus Werken. Die Aufführung 1944 unter Besatzung war ein Wagnis — die deutschen Zensoren ließen es zu, weil sie es als Verteidigung des Pragmatismus (Kollaboration) lasen, die Résistance las es als Aufruf zum Widerstand. Diese Doppeldeutigkeit gehört zum Werk. Anouilhs „Chor" — als Erzähler — ist eine moderne Fassung des antiken Chors. Inszenierungen Jean Anouilhs selbst, später Marianne Hoppe (Berlin 1946), Erika Burkart, in jüngster Zeit Yael Farber prägen die Aufführungs-Tradition.

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