Über das Werk
Sophokles' Tragödie „Antigone" wurde um 442 v. Chr. uraufgeführt und gehört zur thebanischen Trilogie um das Geschlecht des Ödipus. Sie ist eines der meistgespielten Werke des antiken Theaters und gilt seit Hegel als Urszene des Konflikts zwischen göttlichem und menschlichem Gesetz.
Handlung
Nach dem Bruderkrieg um Theben — in dem Eteokles und Polyneikes einander getötet haben — ordnet König Kreon an, Eteokles ehrenvoll zu bestatten, Polyneikes aber als Verräter unbeerdigt im Feld liegen zu lassen, was nach griechischem Glauben dessen Seele die Ruhe verwehrt. Antigone, Schwester der Toten, widersetzt sich dem königlichen Edikt und streut symbolische Erde auf den Bruder. Kreon lässt sie verhaften und zum Tod durch Einmauern verurteilen. Antigones Verlobter Haimon, Kreons Sohn, fleht vergeblich um ihr Leben. Der blinde Seher Teiresias warnt Kreon vor göttlicher Strafe; Kreon lenkt zu spät ein. In der Höhle hat sich Antigone bereits erhängt, Haimon ersticht sich neben ihr; Eurydike, Kreons Frau, nimmt sich aus Verzweiflung das Leben. Kreon bleibt allein zurück mit der Erkenntnis seiner Schuld.
Kulturelle Bedeutung
Antigone ist eines der wichtigsten Werke des Welttheaters und Bezugspunkt der politischen Philosophie von Hegel über Kierkegaard bis Judith Butler. Jean Anouilhs Antigone-Bearbeitung (1944) wurde während der deutschen Besatzung Frankreichs uraufgeführt und las das Stück als Widerstand gegen Tyrannei. Brechts „Antigone"-Modell (1948) wiederum politisierte den Stoff für die Nachkriegszeit. Auf deutschen Bühnen ist Antigone seit Hölderlin (Übersetzung 1804) feste Größe.
