Andorra
—
0 Bewertungen

Andorra

Max Frisch
Theater · 1961

Über das Werk

Max Frischs „Andorra" wurde 1961 in Zürich uraufgeführt und ist nach „Biedermann und die Brandstifter" Frischs zweites großes Modell-Stück. Frisch entwickelte das Stück über zehn Jahre aus einer Erzählskizze („Der andorranische Jude", 1946) und schuf damit eines der wichtigsten Werke der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur über Antisemitismus und Vorurteile.

Handlung

In dem fiktiven kleinen Land Andorra (NICHT identisch mit dem realen Andorra — Frisch wählte den Namen als Modellraum) lebt der junge Andri, vom Lehrer Can als „gerettetes" jüdisches Kind aus dem feindlichen „Schwarzen" Nachbarstaat aufgenommen. Andri liebt Barblin, Cans Tochter — die in Wahrheit seine Halbschwester ist, denn Andri ist Cans uneheliches Kind aus einer Affäre mit einer „Schwarzen". Can hat die Lüge erfunden, um Andri vor moralischer Schande zu bewahren. Doch im Lauf der Handlung wird Andri immer mehr als „Jude" stigmatisiert — Wirt, Soldat, Geselle, Pater, Tischler, Doktor projizieren ihre Vorurteile auf ihn, und Andri übernimmt schließlich diese zugewiesene Identität. Als die „Schwarzen" Andorra überfallen, organisieren sie eine „Judenschau" — alle Bewohner werden gemustert. Andri wird trotz Cans verspäteter Wahrheits-Enthüllung als Jude identifiziert und hingerichtet. Barblin wird vergewaltigt und der Kopf rasiert. Die Andorraner verleugnen ihre Schuld in zwischengeschalteten „Vordergrund"-Szenen.

Kulturelle Bedeutung

Andorra ist Frischs meistgespieltes Drama und Pflichtlektüre an deutschsprachigen Schulen. Das Stück wurde nach 1961 zum Modell für die Aufarbeitung des Holocaust auf der Bühne — auch wenn Frischs Modellcharakter (das Stück handelt nicht direkt vom Holocaust, sondern vom Mechanismus des Vorurteils) immer wieder diskutiert wird. Die „Vordergrund"-Szenen, in denen die Andorraner ihre Schuld leugnen, gehören zu den raffiniertesten dramaturgischen Strukturen des Nachkriegstheaters. Inszenierungen Kurt Hirschfelds (Uraufführung) und Frank Castorfs prägten die Wirkung.

Community-Bewertung
—
0 Bewertungen
Kommende Aufführungen
Theater Heidelberg · Heidelberg
30. November 2026 · 15×
Home
Entdecken
Freunde
Profil