Über das Werk
Heinrich von Kleists Lustspiel erschien 1807 und verbindet die antike Doppelgänger-Komödie des Plautus mit deutscher Romantik. Molières gleichnamige Fassung von 1668 diente Kleist als Vorlage, doch er vertiefte den Stoff zu einer philosophischen Auseinandersetzung über Identität und Vertrauen. Die Uraufführung fand erst 1899 am Neuen Theater Berlin statt.
Handlung
Der thebanische Feldherr Amphitryon kehrt aus dem Krieg heim und findet seine Frau Alkmene verändert vor. Unbemerkt hat Jupiter in Amphitryons Gestalt eine Nacht mit ihr verbracht, während Merkur sich als dessen Diener Sosias ausgibt. Als Amphitryon seine Heimkehr verkündet, bestreitet Alkmene, ihn erwartet zu haben, denn sie glaubt, er sei bereits dagewesen. Die Identitätsverwirrung spitzt sich zu, bis Jupiter sich offenbart und ankündigt, dass Alkmene einen Halbgott gebären werde: Herakles.
Kulturelle Bedeutung
Amphitryon gilt als Kleists rätselhaftestes Werk und als Höhepunkt deutscher Versdichtung des frühen 19. Jahrhunderts. Alkmenes leises „Ach!" am Ende ist eine der berühmtesten Schlusspointen der deutschen Dramenliteratur. Das Stück wird regelmäßig an deutschen Bühnen gespielt und gilt als Prüfstein für Schauspielerinnen, die die metaphysische Verletzlichkeit der Alkmene verkörpern müssen.
