Über das Werk
Arthur Millers „All My Sons" („Alle meine Söhne") wurde 1947 in New York uraufgeführt — Millers erstes Erfolgswerk und Vorläufer von „Death of a Salesman". Das Stück basiert auf einem realen Skandal des Zweiten Weltkriegs: Eine Firma der amerikanischen Rüstungsindustrie hatte fehlerhafte Flugzeugteile geliefert, was den Tod amerikanischer Piloten verursachte.
Handlung
Vorstadt, ein Sommer-Sonntag in den späten 1940er Jahren. Joe Keller, mittelständischer Industrieller, lebt mit seiner Frau Kate und seinem Sohn Chris in einem behaglichen Haus mit Garten. Sein zweiter Sohn Larry, Pilot im Krieg, ist seit drei Jahren vermisst — Kate weigert sich, seinen Tod zu akzeptieren. Chris will Larrys frühere Verlobte Ann Deever heiraten — die Tochter von Joes ehemaligem Geschäftspartner Steve, der allein für die Lieferung von 21 fehlerhaften Flugzylinderköpfen ins Gefängnis gegangen ist. Das Verbrechen: 21 amerikanische Piloten starben durch die fehlerhaften Teile. Joe behauptet, er sei am Tag der Auslieferung krank gewesen und nicht in der Fabrik — Steve allein habe entschieden zu liefern. Anns Bruder George, von der Gefängnis-Visite ihres Vaters zurückkehrend, deckt im Verlauf des Tages die Wahrheit auf: Joe wusste die ganze Zeit Bescheid und ließ Steve allein die Schuld tragen. In einem Brief Larrys an Ann — den sie endlich offenbart — erfährt die Familie: Larry hat sich aus Scham über die Schuld seines Vaters absichtlich abstürzen lassen. Joe, von der Wahrheit überwältigt, geht ins Haus und erschießt sich. Chris bricht zusammen.
Kulturelle Bedeutung
All My Sons ist Millers erster großer Hit und Schlüsselwerk des amerikanischen Realismus der Nachkriegszeit. Das Stück ist eine moralische Anklage gegen den amerikanischen Kapitalismus und seine Unfähigkeit, Verantwortung anzuerkennen — der berühmte Schluss-Satz „They were all my sons. And I guess they were" gibt dem Stück seinen Titel. Verfilmt 1948 mit Edward G. Robinson; Inszenierungen mit John Lithgow, Stockard Channing (Broadway 1997), Sally Field, Bill Pullman (London/Broadway 2014, 2019). Pflichtlektüre an amerikanischen Highschools.
