Über das Werk
Philip Glass' „Akhnaten" wurde 1984 in Stuttgart uraufgeführt und schließt als drittes Werk Glass' „Porträt-Trilogie" über große historische Visionäre ab — nach „Einstein on the Beach" (Wissenschaft) und „Satyagraha" (Politik) hier Religion. Das Libretto, von Glass und Mitarbeitern aus alten ägyptischen, hebräischen und akkadischen Texten zusammengestellt, vertont das Leben des ägyptischen Pharaos Echnaton (ca. 1350 v. Chr.).
Handlung
Akt I — Thronbesteigung: Akhnaten besteigt nach dem Tod seines Vaters Amenhotep III. den Thron. Beerdigungsritual und Krönung. Akt II — Religion: Akhnaten setzt den Sonnengott Aton als alleinigen Gott durch (die erste monotheistische Religion der Geschichte) und verbietet die alten Götter. Er gründet eine neue Hauptstadt, Achetaton (heutiges Amarna). Liebesszene mit Königin Nofretete. Hymne an die Sonne — Akhnaten singt allein die berühmte Hymne, die textlich Psalm 104 erstaunlich ähnelt. Akt III — Verfall: Akhnaten verfällt in religiöse Ekstase, vernachlässigt das Reich. Feinde überfallen die Grenzen. Eine Gruppe Priester der alten Religion ermordet ihn (im Werk symbolisch); die alte Religion wird wiederhergestellt. Im Schlussbild stehen Touristen in Amarnas Ruinen — Akhnaten ist Geschichte geworden.
Kulturelle Bedeutung
Akhnaten ist Glass' theatralisch ehrgeizigstes Werk und hat seit der ENO/Met-Inszenierung von Phelim McDermott (2016/2019, mit Anthony Roth Costanzo als Akhnaten) eine zweite große Erfolgswelle erlebt. Die Pantomime-Choreografie mit Jongleur-Bewegungen wurde zur ikonischen Bühnen-Sprache. Akhnaten gilt als der bedeutendste Beitrag zur „Minimal Music Opera" — repetitive Strukturen, archaische Texte, ritualisierte Szenen. Die Sonnen-Hymne („Hymn to the Sun") gehört zum modernen Konzert-Repertoire des Counter-Tenors.