Über das Werk
Georg Friedrich Händels Oper „Agrippina" (HWV 6) wurde 1709 am venezianischen Teatro San Giovanni Grisostomo uraufgeführt und war Händels erster großer Erfolg. Das Libretto stammt von Vincenzo Grimani, dem päpstlichen Legaten Venedigs, und ist eine bissige politische Satire auf das antike Rom — und implizit auf die Machtspiele der Gegenwart.
Handlung
Im Rom Kaiser Claudius' wird das Gerücht gestreut, der Kaiser sei auf See umgekommen. Seine Frau Agrippina nutzt die Gelegenheit, ihren Sohn Nero (aus erster Ehe) zum Kaiser krönen zu lassen. Doch Claudius kehrt zurück, von dem Heeresführer Otho gerettet. Otho und Nero begehren beide die schöne Poppea. Agrippina spinnt ein dichtes Intrigennetz: Sie überredet Poppea, jeden Mann gegeneinander auszuspielen; sie verleumdet Otho beim Kaiser; sie sichert Nero die Thronfolge. Im Finale, nach diversen Verwirrungen und Liebesgeständnissen, behält Agrippina die Oberhand: Otho und Poppea erhalten einander, Nero wird zum Thronfolger erklärt. Die Götter werden um Beistand angerufen — eine zynisch heitere Pointe.
Kulturelle Bedeutung
Agrippina ist die musikalisch und theatralisch glänzendste der Händel-Opern aus der italienischen Frühphase. Das Werk besitzt komische Schärfe — Grimani's Libretto demaskiert alle Charaktere als korrupt — und enthält Arien (Agrippinas „Pensieri, voi mi tormentate", Poppeas „Bel piacere è godere"), die Händel später in eigenen Werken wiederverwendete. Die Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert, besonders durch David McVicars Pariser Inszenierung 2003 und das ROH 2019, hat das Werk zu einem festen Bestandteil des Barock-Repertoires gemacht.
