Über das Werk
Aci, Galatea e Polifemo ist eine Serenata (dramatische Kantate) für drei Stimmen von Georg Friedrich Händel, entstanden 1708 während seines Italien-Aufenthalts. Das Werk wurde in Neapel für ein Hochzeitsfest komponiert, das die Adelige Aurora Sanseverino in Auftrag gab; das italienische Libretto wird Nicola Giuvo zugeschrieben. Es behandelt denselben Stoff wie Händels spätere englische Masque „Acis and Galatea" (1718), ist mit ihr aber nicht identisch. Berühmt ist die Partie des Polifemo mit der Bassarie „Fra l'ombre e gl'orrori", die einen extremen Stimmumfang von über zwei Oktaven verlangt.
Handlung
Der Stoff geht auf Ovids Metamorphosen zurück. Die Nymphe Galatea und der Hirte Aci lieben einander. Der eifersüchtige Zyklop Polifemo begehrt Galatea und wirbt vergeblich um sie. In seiner Wut erschlägt er den Nebenbuhler Aci mit einem Felsblock. Die untröstliche Galatea verwandelt den Getöteten mit göttlicher Macht in eine Quelle, sodass Aci als lebendiges Wasser fortbesteht – die Liebe überdauert so den Tod.
Kulturelle Bedeutung
Die neapolitanische Serenata zählt zu den Höhepunkten von Händels italienischen Lehrjahren, in denen er seinen dramatischen und vokalen Stil ausformte. Die anspruchsvolle Faktur – virtuose Koloraturen, farbige Instrumentierung und die enorme Bass-Tessitura des Polifemo – macht das Werk bis heute zu einer geschätzten Konzert- und Bühnenrarität. Es dokumentiert zugleich Händels Auseinandersetzung mit dem italienischen Kantaten- und Opernidiom, das seine spätere Laufbahn als Opernkomponist in London prägen sollte.
