Das Teatro La Fenice in Venedig, eröffnet am 16. Mai 1792 mit Giovanni Paisiellos „I giuochi di Agrigento", zählt zu den bedeutendsten Opernhäusern der Welt und ist das wichtigste Haus Italiens nach der Mailänder Scala. Sein Name — „Der Phönix" — verdankt sich dem prophetischen Versprechen, aus den Aschen vorhergegangener Theaterbrände in stets neuer Pracht aufzuerstehen. Tatsächlich brannte das Haus zweimal vollständig nieder: 1836 nach einem Defekt im Heizungssystem und 1996 durch Brandstiftung zweier Elektriker, die Vertragsstrafen für verspätete Arbeiten vermeiden wollten. Nach acht Jahren Wiederaufbau unter strikter Wahrung des historischen Erscheinungsbildes („dov'era, com'era") wurde La Fenice 2003 erneut eröffnet. Das Haus erlebte einige der bedeutendsten Uraufführungen der Operngeschichte: Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi" (1830), Gaetano Donizettis „Belisario" (1836), Giuseppe Verdis „Ernani" (1844), „Attila" (1846), „Rigoletto" (1851), „La Traviata" (1853) und „Simon Boccanegra" (1857). Im 20. Jahrhundert folgten Igor Strawinskys „The Rake's Progress" (1951), Benjamin Brittens „The Turn of the Screw" (1954) und Luigi Nonos „Intolleranza 1960" (1961) — La Fenice war so wichtig für die Moderne wie für die Romantik. Der Goldsaal im Stil eines „bonbonniere" mit fünf Logenrängen, üppigem Stuck und Deckenfresken bietet etwa 1.000 Plätze und gilt als einer der akustisch und visuell schönsten Operntheater Europas. Heute leitet Daniele Callegari als musikalischer Direktor das Orchestra del Teatro La Fenice, das jährlich auch das traditionsreiche Neujahrskonzert aus Venedig produziert, weltweit übertragen als kulturelles Gegenstück zum Wiener Neujahrskonzert.
Hier wurde La Traviata am 6. März 1853 uraufgeführt — und fiel beim Publikum so spektakulär durch, dass Verdi am nächsten Tag schrieb: „La Traviata gestern Abend — Fiasko. Liegt es an mir oder den Sängern? Die Zeit wird urteilen." Heute zählt sie zu den meistgespielten Opern der Welt.

