Biografie
Ilse Aichinger wurde 1921 zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Helga in Wien geboren, als Tochter eines Lehrers und einer jüdischen Ärztin. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 war die Familie der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt: Helga entkam 1939 mit einem Kindertransport nach Großbritannien, Ilse wurde als „Halbjüdin“ das Studium verwehrt, sie wurde zur Arbeit dienstverpflichtet und bewahrte ihre Mutter vor der Deportation, während die Großmutter 1942 verschleppt und ermordet wurde. Nach Kriegsende begann sie ein Medizinstudium, das sie abbrach, um ihren einzigen Roman „Die größere Hoffnung“ (1948) zu schreiben. 1952 gewann sie mit der „Spiegelgeschichte“ den Preis der Gruppe 47, im Jahr darauf heiratete sie den Dichter Günter Eich. Ihr Werk umfasst Erzählungen wie „Der Gefesselte“, Hörspiele wie „Knöpfe“, Gedichte („Verschenkter Rat“, 1978) und zunehmend knappe, sprachkritische Prosa wie „Schlechte Wörter“ (1976); ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit dem Nelly-Sachs-Preis (1971), dem Franz-Kafka-Preis (1983) und dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur (1995). Aichinger starb 2016 in Wien.
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